Neuerscheinungen

Volker Sielaff: Glossar des Prinzen

Gedichte

Der Bogen ist weit gespannt: eine große formale und thematische Vielfalt trägt die Gedichte des neuen Bandes von Volker Sielaff. Landschaften und Orte, philosophische Zahlengedichte, Liebesgedichte und surrealistische Imaginationen - ein großer Raum poetischer Möglichkeiten wird hier durchschritten. Phantasiefiguren und Realien treffen im »Glossar des Prinzen« aufeinander. Sielaff versichert sich zwar der Tradition, geht jedoch auch eigensinnig ins Offene, stets der eigenen Tonspur folgend. Seine Leser werden den Sielaff-Ton durchhören und viel Neues entdecken. 100% verwunschen und 100% genau sind diese Gedichte, und auch das Alltägliche kann bei diesem Dichter surreal sein.

Andre Rudolph: Blicktot, Nixe [Klaffende Tags]

Gedicht

Wie kaum ein anderer Gegenwartsautor ist Andre Rudolph der Dichter der scheinbaren Gegensätze, von Pathos und Ironie, von echtem, tiefem Witz und echter, tiefer Klage. Auch in seinem dritten Gedichtband findet sich bei aller Lust zum Beschreiten neuer Pfade ein strenger Formwille, der dabei nie gezwungen, eher rauschhaft wirkt. Es ist ein zersplitternder, epischer, konfessioneller Gesang. Ein breiter barocker Teppich, dessen Vollendung gleichzeitig gelingt und scheitert, scheitern muss, weil es das homerische >Große< nicht mehr geben kann. Das Scheitern also ist Resultat und Grundlage, es treibt diese zwischen den Stilen und Sprechweisen changierende Tragikomödie an. Andre Rudolph behauptet bei aller bewussten Sprachskepsis, bei allem >sowohl/als auch< weiterhin und unerschütterlich, dass Dichtung lieben, trauern, singen kann.

Ben Lerner: Mean Free Path

Gedichte. Zweisprachig

In der Physik bezeichnet »mean free path« [die Mittlere freie Weglänge] die durchschnittliche Strecke, die ein Partikel zurücklegt, bevor es mit einem anderen Partikel zusammenstößt. Die Gedichte in Ben Lerners drittem Gedichtband sind Momentaufnahmen von Kollisionen jedweder Art: Splitter, Fragmente, Neuzusammenstellungen. Kommunikationsstörungen bringen zum Ausdruck, was simpler Beschreibung entgeht. Liebesgedichte und Gedichte über die Schwierigkeit, Liebesgedichte zu schreiben, wenn alles, was man zur Verfügung hat, die Sprache einer durchkommerzialisierten, militarisierten Welt ist. Der nun vorliegende dritte Band des mit dem Preis für Internationale Poesie der Stadt Münster ausgezeichneten US-Dichters Ben Lerner wurde von den Huchel-Preisträgern Steffen Popp und Monika Rinck ins Deutsche übertragen.

Ben Lerner: Mean Free Path

Gedichte. Zweisprachig

In der Physik bezeichnet »mean free path« [die Mittlere freie Weglänge] die durchschnittliche Strecke, die ein Partikel zurücklegt, bevor es mit einem anderen Partikel zusammenstößt. Die Gedichte in Ben Lerners drittem Gedichtband sind Momentaufnahmen von Kollisionen jedweder Art: Splitter, Fragmente, Neuzusammenstellungen. Kommunikationsstörungen bringen zum Ausdruck, was simpler Beschreibung entgeht. Liebesgedichte und Gedichte über die Schwierigkeit, Liebesgedichte zu schreiben, wenn alles, was man zur Verfügung hat, die Sprache einer durchkommerzialisierten, militarisierten Welt ist. Der nun vorliegende dritte Band des mit dem Preis für Internationale Poesie der Stadt Münster ausgezeichneten US-Dichters Ben Lerner wurde von den Huchel-Preisträgern Steffen Popp und Monika Rinck ins Deutsche übertragen.

John Berrymann: 77 Dream Songs

Gedichte. Zweisprachig

Mit »77 Dream Songs« erscheint eines der wichtigsten Werke der englischsprachigen Lyrik des 20. Jahrhunderts erstmals in deutscher Übersetzung. 1965 erhielt der Band den Pulitzer Prize for Poetry. Wegen ihrer autobiographischen Färbung oft als »Confessional poetry« bezeichnet, hat John Berryman diesen
Begriff jedoch stets zurückgewiesen. Die »Dream Songs« bekennen nicht nur, sie klagen nicht nur, sie streiten auch, klagen an, fragen und reißen bittere Witze. So geht es um immer wiederkehrende Figuren und deren Dialoge, Gemütszustände und Blickwinkel auf die Welt, um Jazz, Theater und Minstrel-Shows, um Zen, Christentum und Buddhismus, um Liebe, Verzweiflung und Tod. Die Gedichte werfen ein getrübtes Licht auf das Amerika und die Welt der industriellen Moderne sowie auf das Individuum, das in dieser lebt. Protagonist ist Berrymans legendäres Alter Ego Henry. Dieser berichtet von seinen Krisen, nimmt aber auch vielfach die Stimmen und Perspektiven der von der Geschichte Unterdrückten auf: die der Schwarzen, der Juden, der Frauen. Oft mischen sich die
Stimmen, es wird unklar, wer genau spricht: die Persona ist ebenso zerrissen wie die Welt, die sie umgibt.

»Ich bin der kleine Mann der raucht & raucht.

Ich bin das
Mädchen, welches besser weiß, doch.

Ich bin der König des
Pools.

Ich bin so weise, dass mein Mund wurd zugenäht.

Ich
bin ein Regierungsekretär & gottverdammter Narr.

Ich bin
eine Frau, die Witze über sich erträgt.

Ich bin der Gegner des
Verstands.

Ich bin der Autohändler und liebe dich.

Ich bin
Jugendkrebs, mit einem Plan.

Ich bin der ausgelöschte Mann.

Ich bin die Frau, so kraftvoll wie ein Zoo.

Ich bin zwei Augen,
geschraubt an mein Set, dessen blinde–

Es ist der Vierte
Juli.

Tagesgebet: während der Mann, der im Sterben liegt,

und dem du vorausgangen, Schöpfer der vergibt,

ächzt: >Thomas
Jefferson lebt<

vergebens, vergebens, vergebens.

Ich bin
Henry Pussy-cat! Mein Schnurrbart fliegt.«

Amy Hempel: Was Uns Treibt

Erzählungen

übersetzt von Stefan Mesch.

Nach dem großen Erfolg von »Die Ernte« erscheint nun mit »Was uns treibt« ein neuer Band mit Storys der neben Alice Munro und Lydia Davis wohl meist verehrten Erzählerin englischer Sprache. »Du lernst, allen Ballast zu streichen. Stellst dir bei jedem Satz vor, wie deine Leser nur nach dem ersten Grund suchen, dich wieder fortzulegen. Der Trick?«, sagt Amy Hempel über ihre Zeit als Journalistin: »Ihnen keine Gründe zum Aufgeben zu lassen!«

Kurt Drawert: "Prag ist eine Erfindung von Kafka"

Kritiken und Essays 1990-2014

Dieser Band versammelt Essays und Rezensionen, Nachrufe und Kommentare von Kurt Drawert aus den Jahren 1990-2014. Zusammen genommen zeigen sie nicht nur den weit gespannten Horizont eines der wichtigsten zeitgenössischen deutschsprachigen Autoren, sie erzählen auch ein Stück der Literaturgeschichte des ausgehenden 20. Jahrhunderts in Deutschland. Im Zentrum stehen Besprechungen zu Prosa und Lyrik, mit einem besonderen Augenmerk auf die Entwicklungen in der deutschsprachigen Lyrik. Es fi nden sich Texte zu Oskar Loerke und Peter Huchel, zu Sarah Kirsch und Adolf Endler,Fritz J. Raddatz, Michael Krüger bis hin zu Gerhard Falkner und Ulf Stolterfoht, den Werken Cees Nootebooms und Tomas Tranströmers. Die große Welle der Furore machenden jungen Dichter aus dem Umfeld der Anthologien »Lyrik von Jetzt I« (und II) nach 2000 hat Drawert nicht nur als Rezensent und Leser, sondern auch als langjähriges Mitglied der Jury des Léonce-und-Lena Preises, dem bedeutendsten Lyrikpreis Deutschlands für junge Dichter, begleitet. Ihnen ist ein eigener Schwerpunkt im Buch gewidmet. Würdigungen von u.a. Siegfried Unseld, Karl Krolow, Heinz Czechowski und Günter Kunert runden den Band ab.

Kurt Drawert: SPIEGELLAND

Roman. Prosa & Material

Bereits in den Jahren 1990 und 1991 schrieb Kurt Drawert einen kurzen, furios aufwühlenden, sprachgewaltigen Roman, der sich mit dem Ende seines Heimatlandes auseinandersetzt. Für diesen vermutlich ersten bedeutenden Roman über das Ende der DDR wurde ihm der Uwe-Johnson Preis verliehen. Gewidmet ist das Buch Drawerts Söhnen »im Sinne einer Erklärung«. Es erzählt die Geschichte einer Vater-Sohn-Beziehung, die Drawert meisterhaft mit zeitgeschichtlichen Ereignissen verknüpft. Zum 25. Jubiläum des Mauerfalls wird dieses erste große literarische Zeugnis dieses Umbruchs neu herausgegeben. Der Band wird ergänzt um die Erzählungen der 90er Jahre, darunter »Haus ohne Menschen«, für das Drawert den Ingeborg-Bachmann Preis erhielt. Thematisch verbundene Essays wie »Polen, eine innere Reise« und »Go, Trabi, go down« bieten einen Blick auf die Jahre nach dem Fall der Mauer. Mit dieser Ausgabe liegen erstmals die wichtigsten Prosatexte Kurt Drawerts aus der Anfangszeit des wiedervereinigten Deutschland gesammelt vor.

Percival Everett: "Ich bin nicht Sidney Poitier"

Roman

Am Anfang und im Zentrum des vielleicht unterhaltsamsten Romans zu Medienwahnsinn und Rassenfragen in den USA steht ein böser, verzweifelter Witz: Portia Poitier, die unkonventionelle Mutter der Hauptfi gur, gibt ihrem Sohn den Namen »Nicht Sidney«. Starkult, Rassenfrage, und die Schere zwischen Arm und Reich sind Nicht Sidney Poitier damit in die Wiege gelegt. Nicht Sidneys Mutter stirbt, als er elf Jahre alt ist und sie hinterlässt ihm nicht nur einen ungewöhnlichen Namen, sondern aufgrund kluger Investitionen auch einen maßgeblichen Anteil an der Turner Broadcasting Corporation, dem Mutterkonzern des Nachrichtensenders CNN. Dessen Gründer, Ted Turner, wird nun zum Vormund des vielleicht reichsten, verwirrtesten afroamerikanischen Jungen der USA. Als Nicht Sidney das abgeschirmte Anwesen seiner Jugend verlässt, wird er verhaftet und gerät sogleich in einen Mordfall in Smuteye, Alabama. Percival Everett hat mit diesem Roman eine dunkle, witzige, überbordende erzählerische Tour de force durch ein groteskes Amerika der Postmoderne geschaffen.

Keith Waldrop: GRAVITATIONEN

Ausgewählte Gedichte, zweisprachig

»Meine Vorstellungskraft ist schwach. In meinen Träumen beispielsweise - von denen man annehmen würde, dass sich hier Wünsche mühelos erfüllen - in meinen Träumen verändern sich Ereignisse normaler Weise nicht. Doch in dieser Welt, die dem Verlangen des Herzens näher ist, spielen sie sich noch einmal ab, exakt so, wie ich sie erzähle, wie sie sich zugetragen haben. Es scheint als ob ich mir eher Verzweifl ung, und selbst erfundene Verbesserung der Zustände ausmale - um diese zum Untergang verdammte Welt mit Zärtlichkeit zu sehen, so wie sie war, so wie sie ist.«

Eine erste repräsentative Auswahl aus dem Werk Keith Waldrops, der mit seiner aus Deutschland stammenden Frau Rosmarie seit Jahrzehnten den Verlag Burning Deck Press betreibt. In den USA hochgeschätzt, erscheinen dort unter anderem Erstausgaben deutschsprachiger Lyriker (Mayröcker, Erb, Stolterfoht u.v.a.) aber auch L.A.N.G.U.A.G.E Poetry und New York School nahestehende Dichter.