Verlagsnews

Gedicht zum Samstag #02: Andre Rudolph, destruktive interferenz

 

destruktive interferenz

 

 

dass wir relativ komplexe wesen sind,

siehst du zum beispiel am morgen,

wenn du über eine rolltreppe läufst,

die steht, dein körper sich aber

noch an ihre fahrenden stufen erinnert,

so dass du unmerklich schwankst ...

 

wenig später ist der bahnhof längst

außer sichtweite, und der typ, der dir

gegenübersitzt, versucht vergeblich, eine

compact disk aus ihrer haut zu schälen,

die den titel healing harmony trägt.

jetzt hält er sie ans ohr, scheint ihrem

versilberten herzschlag zu lauschen. –

ich sehe es auch, das herz, wie es

auf der spiralbahn des datenträgers

von innen nach außen die pits und

lands abscannt, bis es einmal ganz durch-

gelaufen ist – und steht. nennen wir es,

wie es ist: destruktive interferenz.

(das alles ist völlig sinnlos und gegen

die natur.)

 

auf der straße, die parallel zur bahn-

strecke verläuft, fahren die autos

noch mit der alten, soliden klang-

walzentechnik; unterm spielkamm

der lider. ihr klingendes, berührtes, un-

ausgesetztes zucken ...

 

nebenbei schreibe ich jetzt übrigens,

in der bahn, an einem aufsatz

über die nebenwirkungen des

enzyms invertase, das unsre augen

steuert und alles, was wir sehen,

in feinen fruchtzucker ver-

wandelt. meine jüngsten erfolge:

endlich habe ich der zeit eine un-

befristete anstellung verschaffen

können, in meiner firma. sie arbeitet

sich gerade ein. ich selbst mache

eigentlich die meiste zeit gar nichts,

und auch das fällt mir schwer.

 

eben hat der zug seinen zielbahnhof

erreicht.

 

[aus: Andre Rudolph, confessional poetry, Luxbooks Labor)

 

Feldpost #06 2014

»... diese kleine Branche, die weniger Umsatz macht als Aldi Süd« (Prof. Dr. Stephan Füssel, Leiter des Institut für Buchwissenschaft, Universität Mainz)

 

Die 100 Größten

Jedes Jahr wartet die Branche gespannt auf das Buchreport-Ranking der 100 größten Buchverlage. Warum ist nicht ganz ersichtlich, denn eigentlich gibt es da keine großen Überraschungen und die Liste sieht Jahr für Jahr relativ ähnlich aus. Das hatte man nach dem auch recht stabilen Branchenjahr 2013 wieder erwartet, doch Pustekuchen. Bei 44 Verlagen gab es Umsatzveränderungen von bis zu 5%. Nach oben und unten. So verliert beispielsweise Random House 1,2% und landet auf Platz drei. Trotz eines Minus von 2,2% steht jedoch Springer Science + Business Media an der unangefochtenen Spitze. Gratulation, es ist also fast so spannend wie die Bundesliga! http://bit.ly/1jr7ru3 

Publisher's Weekly bietet derzeit einen Überblick über die 60 größten Buchverlage weltweit: http://bit.ly/196iQIa

 

Machen statt meckern

Nachdem sich letzte Woche die Buchhändler zur verlegerischen Tätigkeit von Amazon geäußert haben, melden sich nun auch die Verlage zu Wort. Buchreport befragte mehrere Verlagsmenschen zu Amazon Publishing, unter anderem Volker Busch von Egmont. Der zeigte sich in einem knappen Statement gelassen und hieß Hybridautoren, die auf verschiedenen Wegen publizieren, willkommen. Sebastian Ritscher, Literaturagent bei Mohrbooks, hält Amazon weiterhin nicht für einen attraktiven Arbeitgeber, rät aber Buchhandlungen davon ab, den Verkauf von Amazon Publishing Titeln zu boykottieren. http://bit.ly/1hbdvBS  

 

Attacke

Die Ebook-Reader-Allianz Tolino versucht erneut Amazon anzugreifen. Nach dem erfolgreichen Markteintritt des Tolino Shine im vergangenen Jahr zielt nun der Tolino Vision als weiteres Angebot auf die zunehmend ebook-affiner werdenden Deutschen. Das sympathische Ziel der Tolino-Eigner ist Marktführer zu werden. Ob es gelingt Amazon das Zepter aus der Hand zu reißen, bleibt fraglich. Der neue Tolino Vision hat aber tatsächlich einige Neuerungen zu bieten. Handlicher, kontrastreicher und mit einem besseren Display wird der Amazons Kindle immer ähnlicher. Im Buchreport finden Sie eine detaillierte Gegenüberstellung von Tolino und Kindle: http://bit.ly/1pRaqMq 

 

Apps vor E-Books

Alexander Trommen, Dozent an der Akademie des Deutschen Buchhandels, gab im Buchreport ein inspirierendes Interview über die Einbindung von Apps in das Verlagsprogramm. Apps seien für Verlage eine bessere Alternative als E-Books, da das Print-Buch erhalten bleibe und durch eine App weiter angereichert werde. Vor allem Zeitschriften- und Zeitungsverlage sind derzeit Vorreiter im App-Store und machen vor, wie lukrativ das App-Geschäft doch sein kann. Weitere Tipps und Trends finden Sie im vollständigen Interview unter: http://bit.ly/1iRzD8G 

 

Drive-In and find out

Für den Zwischenbuchhandel gibt es mal wieder eine neue Studie. Das Börsenblatt veröffentlichte die Bilanz der Trendstudie Handelslogistik 2014. Zunächst sei gesagt: mit der Abholung vor Ort macht der Buchhandel schon mal alles richtig, denn das können viele Online-Händler nicht bieten. Interessant wären nun zusätzlich Drive-In-Stationen. So einfach wie bei McDonalds. Weitere Zahlen zu Lager, Auslieferung und Multichannel-Logistik allgemein finden Sie hier: http://bit.ly/1moY65T 

 

Ich selfpublishe, du selfpublishst, alle selfpublishen

Online-Plattformen für Selfpublisher gibt es gefühlt wie Sand am Meer. Die dort generierten Umsätze erkämpfen sich einen immer größer werdenden Marktanteil. Bisher gingen diese Umsätze allerdings am stationären Buchhandel vorbei. Der Selfpublishing-Dienstleister Tredition hat nachgefragt, warum das eigentlich so ist. Die Umfrage ergab, dass erstaunlicherweise nur 14% der befragten Buchhändler direkt abwinken, wenn es um Selbstverlegtes geht. Überzeugen lassen sich die Händler vor allem dann, wenn das Buch regionalen Bezug hat und die Ausstattung überzeugt. Weitere Auswahlkriterien und Hürden, die der stationäre Handel stellt finden Sie im Buchreport: http://bit.ly/1fFSNKN 

 

Zu guter Letzt: Stay Positive

Langendorffs Dienst hat weiterhin migräneninduzierend gute Laune. Die Schlagzeile am 3. April: Der Buchhandel gehört zu den besten Einzelhandelsbranchen. Es sei nach Parfümerien&Drogerien die „zweitfitteste“ Branche. (Ob das die Douglas-Oberen davon abhält den größten deutschen Buchhändler Thalia abzustoßen?) http://langendorffs-dienst.de

 

Nina Rubach & Christian Lux

Warum Verleger sein? - #01: Why I Am Not a Painter

 

 

 

Gründe für das Verlegerdasein, gibt es viele. Bei mir spielen auch einige über die Jahre zunächst gehegte, dann aufgegebene und verloren gegangene Berufswünsche eine Rolle:

 

1. Zeichner fürs Lustige Taschenbuch (ich war mal Leserbriefbeantworter für die inzwischen pleite gegangene DINO Entertainment (Simpsons, Looney Tunes, Batman etc.))

2. Erfinder wie Daniel Düsentrieb (ich habe mal ein Brettspiel erfunden, das bei einem Spielverlag als Prototyp getestet wurde. Dann aber stellte der Verlag seine eigene Produktionsschiene ein)

3. ARD-Auslandskorrespondent (ich habe mal ein Vorstellungsgespräch für Programmtrailer-Texte bei 3sat gehabt)

4. Museumsdirektor (ich habe mal einen Ausstellungs-Kurator interviewt und war Nachtportier in einem Hotel)

5. Milliardär (als Jugendlicher malte ich mir Organigramme meiner zukünftigen Holding, die Jahr für Jahr größer wurde; ich verfolge nach wie vor sehr intensiv den Twitteraccount von Bill Gates)

6. Putschist (ich war mehrere Jahre mit einem kuriosen Kabarettprogramm unterwegs)

 

Christian Lux

 

The Pure Products of America/ go Crazy (William Carlos Williams): Sylvia Plath Handpuppet

Ab sofort gibt es auf der Webseite der UnemployedPhilosophersGuild eine magnetische Handpuppe von Sylvia Plath. Viele geschmacklose Scherze drängen sich auf. Wir wollen trotzdem eine... Hier

Gedicht zum Samstag #01: Levin Westermann, nennbar ist nämlich

 

 

nennbar ist nämlich 

der himmel am morgen. nennbar ist nämlich

das blau am ende der nacht. die rückkehr der töne

und tiere im flug und all die konturen

im ungemein sichtbaren licht.

 

und so weit das auge reicht

liegt altes land. hügel bis hinaus zum horizont,

wo die berge immer warten (auch im regen und bei nacht).

die stumme übereinkunft zwischen wirklichkeit

und welt –

 

so stehst du dann im wald am hang

und denkst dich windwärts.

 

der see im tal

sehr still. tief in der mitte

und heller am rand.

 

Aus: Levin Westermann: unbekannt verzogen. LUXBOOKS Labor