Backlist

Tom Disch: ENDZONE.

Letzte Gedichte

Thomas M. Disch, geboren 1940 in Des Moines, war einer der zentralen Vertreter der New Wave, jener ebenso progressiven wie literarischen Richtung der Science Fiction-Literatur der sechziger und siebziger Jahre. Berühmt machten ihn Romane wie „Camp Concentration“ (1968), „334“ (1972) und „On Wings of Song“ (1979) sowie zahllose Erzählungen. Zeitgleich zu seiner Karriere als Prosaautor veröffentlichte er unter dem Namen Tom Disch Lyrik. Vor allem in den Jahren vor seinem Suizid am Unabhängigkeitstag des Jahres 2008 bestückte er seinen Blog »Endzone« mit glänzenden Gedichten, in denen er schonungslos ehrlich, tieftraurig und nicht selten mit bissiger Ironie über ein Leben schrieb, das für ihn längst geendet hatte. In diesem Band sind die besten Gedichte aus Tom Dischs poetischem Nachlass versammelt. Herausgegeben, übersetzt und mit einem Essay versehen von Christopher Ecker. Mit einem Vorwort von John Crowley und einem Nachwort von Dietmar Dath.

Tom Bresemann: arbeiten und wohnen im denkmal

Gedichte

Tom Bresemanns Gedichte bieten eine brüchige, oft ironische Sicht auf die Makel und Schönheiten der Zeit, auf Berlin, auf Stadt, auf Land – und sie tun dies auf engagierte Weise. Der Zorn, die Lakonie und Ironie sind nicht Zeichen eines abgeklärten, gleichgültigen Schreibenden, sondern zeigen immer wieder aufs Neue, dass es wert ist, genau hinzusehen, die Klischees zu betrachten und als solche zu erkennen. Tom Bresemann schreibt abseits der Berliner Großstadtromantik, und damit ensteht eine neue, selten klare Sicht auf die Gegenwart und ihre vielstimmige Hyperaktivität.

mit einer Coverillustration von Simone Kornappel.

Charles Bernstein: ANGRIFF DER SCHWIERIGEN GEDICHTE

Ausgewählte Gedichte. Zweisprachig. Aus dem Amerikanischen von Tobias Amslinger, Norbert Lange, Léonce W. Lupette u. Mathias Traxler

Die erste, umfassende Auswahl aus dem Werk des streitbarsten, heitersten und einflussreichsten Vertreters der L=A=N=G=U=A=G=E School, die aus dem literarischen Leben der USA seit den 70er Jahren nicht mehr wegzudenken ist und zu der auch die Luxbooks-Autorin Rae Armantrout gehört. Jede Starrheit sprachlicher (und damit auch: politischer) Identität wird in Bernsteins vielstimmigen Gedichten aufgelöst und in Bewegung gesetzt. Die Texte fahren Autoscooter, in ihnen knallt die internationale Tradition auf die Gegenwart, Hoch- auf Populärkultur. Bernstein ist homme de lettres und Scherzbold in einem, Theoretiker und Praktiker, Sprachaktivist und Melancholiker. Er ist Performance-Künstler und Opern-Librettist, Hollywood-Darsteller »Finding Forrester«) und bei allem: Verfechter des schwierigen Gedichts.

Charlotte Warsen: VOM SPEERWURF ZU PFERDE

Gedichte

Auf die Freundschaft von Wort und Farbe. Was passiert außerhalb der Wohnparzellen des Sehens und Sprechens, in denen wir Sprachnutzer uns eingerichtet haben? "was geht / in hebebühnen gärten"? Charlotte Warsens Texte schweifen zwischen Farb- und Klangzonen der Sprache, um zu "hören wie der rasen rennt". Sie fordern uns auf, achtsam zu sein und uns an Präzision und Drift der Worte zu erinnern, an ihre Sättigung und Tönung, an ihre Rolle als "verführungsfuzzi und verfilzte hebfigur". Sie zeigen, dass sich nur die Dinge punktgenau sagen und einholen lassen, deren Geschwindigkeit die Sprache erreicht hat und deren Richtungswechseln sie folgen kann. Hier biegt jemand permanent unerwartet ab. Und so ist dieser Debütband eine Erfahrung, auf die man sich einlassen sollte, weil er die Schnittstellen und Überlappungen zwischen Sinneswahrnehmungen auslotet und das verschmilzt,
was wir meist als einzelnes benennen. Es sind synästhetische Gedichte zwischen Farbe und ihrer Funktion im Text, ein "rufen durch die / fremde farbe", eine visuelle Erfahrung und eine intellektuelle. 

Jesper Juul: DIE KUNST DES SCHEITERNS

Sachbuch. Übersetzt von Annette Kühn

Menschen haben von Kindesbeinen an das Verlangen, Erfolge zu erzielen und Kompetenz zu erreichen. Computerspieler entscheiden sich jedoch fortlaufend für eine Aktivität, die oft und wiederholt zum Verlieren führen muss und ein taubes Gefühl der Unfähigkeit erzeugt. Im Kino, im Theatersaal und beim Lesen von Büchern nehmen wir ebenfalls Anteil am Leid einer tragischen Figur, doch lässt sich die Lust daran mit Katharsis und Stellvertreterpositionen erklären. Warum aber gerade Videospiele, in der der Spieler sich für seine Niederlagen selbst verantwortlich fühlt, auch eine wichtige Rolle im Umgang mit Gewinnen, Verlieren, Leiden und Leben spielen, und wie sich das vermeintliche Paradoxon erklären lässt, zeigt Jesper Juul in seinem brillanten Essay „Die Kunst des Scheiterns“ und stößt damit zu einem der Wesenskerne der Conditio Humana vor.

John Hawkes: DIE LEIMRUTE

Roman. Übersetzt von Grete Weil

Ein Pferderennen im englischen Aldington bietet den Hintergrund für einen literarischen Thriller von Weltrang. Das Ehepaar Michael und Maragret Banks wird von einem Freund in den scheinbar genialen Plan verwickelt, eines der Rennpferde beim Golden Bowl zu stehlen und unter falschem Namen wieder auf die Bahn zu schicken. Die Aktion schlägt katastrophal fehl, und die Banks finden sich unvermittelt im Konflikt mit einer professionellen Verbrecherbande und somit in einem fiebrigen, albtraumhaften Szenario, das auf ein grausames Ende zusteuert.

Thomas Pynchon hält den Roman für einen der wichtigsten Wegbereiter der Postmoderne. Zu Hawkes Fürsprechern gehören außerdem Flannery O’Connor, Saul Bellow, Anthony Burgess, Donald Barthelme und William H. Gass.

Bereits 1964 erschien im Limes Verlag Wiesbaden (zu dessen Autoren Gottfried Benn und Alan Ginsberg gehörten) John Hawkes "The Lime Twig" in der Übersetzung von Grete Weil. Das
fünf-zigjährige Publikations-Jubiläum wollen wir dazu nutzen, auf die durch uns in Wiesbaden fortgeführte Herausgabe von US-Literatur und Gegenwartslyrik
hinzuweisen.

Tao Lin: RICHARD YATES

Roman. Übersetzt von Christian Lux

In "Richard Yates" erzählt Tao Lin, Enfant Terrible unter den jungen Erzählern der USA, eine dunkel hypnotische Geschichte um schlechten Sex, veganes Essen, Gmail-Chats und einer verbotenen Liebe. Der titelgebende legendäre Romanautor Richard Yates ("Revolutionary Road") spielt nahezu keine Rolle. Stattdessen wird die Geschichte einer verbotenen Liebe zwischen einem sehr jungen Autor und einer noch jüngeren minderjährigen Schülerin erzählt, die sich im Internet unter den Pseudonymen Dakota Fanning und Haley Joel Osment, beides Namen berühmter Hollywood-Kinderstars, kennenge-lernt haben. Während Haley Joel Osment versucht Arbeit und Liebe miteinander zu vereinbaren, wird Dakota Fanning fortlaufend selbstzerstörerischer im Versuch, Haleys uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu erhalten. Haleys Schuldgefühle und Wut steigern sich, bis das Paar in einen unkontrollierbaren Strudel gerät. 

Jan Skudlarek: ELEKTROSMOG

Gedichte. Illustriert von Simone Kornappel

Jan Skudlareks Gedichte sind Dialogarbeiten. In engem Austausch miteinander stehend bewegen sich die Protagonisten seiner Texte rauschartig durch eine technisierte, oft schemenhafte Umwelt. Bis an die Grenzen der Körper, die Grenzen der Sprache. Die Akteure – oft durch ein schlichtes »wir« zusammengefasst – sind Subjekte einer nicht selten surrealen Erfahrungssuche. Doch ihr Wir ist nach außen offen, fordert den Leser auf, teilzunehmen.

Mit »elektrosmog« legt Jan Skudlarek seinen ersten Lyrikband vor.

Illustrationen und Covergestaltung übernahm die Lyrikerin Simone Kornappel.

Jorge Kanese: DIE FREUDEN DER HÖLLE

Ausgewählte Gedichte. Übersetzt und herausgegeben von Léonce W. Lupette

 

»Ich habe immer noch keine Art gefunden, mich selbst zu übersetzen«, schreibt Jorge Kanese. Er mischt und deformiert Spanisch, Guaraní, Portugiesisch, erfindet Sprachen. Dem paraguayischen Lyriker geht es mit sich und mit den Texten so, wie es der Sprache in ihnen geht: Es ist ein Verhältnis der Selbstfremdheit, der Entfremdung. Es sind Gedichte, die trotz aller scheinbaren Souveränität nicht über all den Schmerz, die Zerrissenheit und die Ohnmacht hinwegtäuschen wollen, die ihnen vorausgehen, entgegenstehen, und die ihn ihnen auf die unterschiedlichsten Weisen mitsprechen. Das ständige Hinterfragen und Unterlaufen von Grenzen, Institutionen, Instanzen, das Beharren auf der Brüchigkeit von Identität, Sinn und Bedeutung mündet aber nicht in das Zelebrieren von Irrationalität und Unvernunft. In der Betonung der eigenen Beschädigungen und Aporien öffnet sich die lebensbejahrende Lust des Individuums an der Sprache, de all dies erst zugänglich macht. 

Mit »Die Freuden der Hölle« liegt erstmals eine Auswahl des derzeit wichtigsten Lyrikers Paraguays vor, einem Vorreiter der sprachmischenden Literatur aus dem Dreiländereck Paraguay-Brasilien-Argentinien. Léonce W. Lupette hat für die Übersetzung dieser Gedichte ebenfalls eine Mischsprache erfunden (Deutsch-Türkisch) und sie mit Kommentar und ausführlichem Nachwort versehen.

Sylvia Plath: ÜBER DAS WASSER / CROSSING THE WATER

Nachgelassene Gedichte. Übersetzt von Judith Zander

 

Sylvia Plaths “Crossing the Water” ist eine großartige Entdeckung! Es versammelt eine Serie von Gedichten aus dem Jahren 1961 und 1962 und markiert den Beginn einer rauschschaften Schaffensphase der jungen Schriftstellerin - an deren Ende jene weltberühmten Gedichte entstanden, die unter dem Titel “Ariel” posthum veröffentlicht werden und Plaths Ruhm als eine der wichtigsten amerikanischen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts begründen sollten. Über vierzig Jahre nach der Erstveröffentlichung der von Ted Hughes zusammengestellten Gedichte, wird mit der deutschen Ausgabe von “Crossing the Water” nun endlich eine Lücke in der deutschsprachigen Publikation der Werke Sylvia Plaths geschlossen.