Annette Kühn

Geboren 1981 in Frankfurt am Main, aufgewachsen in Wiesbaden. Studium der Buchwissenschaft und Literaturwissenschaft in Mainz. Mehrere Jahre Arbeit als Buchhändlerin. Freie Mitarbeit für den Suhrkamp Verlag bis Ende 2009. Seit Mai 2010 arbeitet sie für die Buchmesse Frankfurt. Gemeinsam mit Christian Lux Gründung des luxbooks Verlags 2008.

Jesper Juul: DIE KUNST DES SCHEITERNS

Sachbuch. Übersetzt von Annette Kühn

Menschen haben von Kindesbeinen an das Verlangen, Erfolge zu erzielen und Kompetenz zu erreichen. Computerspieler entscheiden sich jedoch fortlaufend für eine Aktivität, die oft und wiederholt zum Verlieren führen muss und ein taubes Gefühl der Unfähigkeit erzeugt. Im Kino, im Theatersaal und beim Lesen von Büchern nehmen wir ebenfalls Anteil am Leid einer tragischen Figur, doch lässt sich die Lust daran mit Katharsis und Stellvertreterpositionen erklären. Warum aber gerade Videospiele, in der der Spieler sich für seine Niederlagen selbst verantwortlich fühlt, auch eine wichtige Rolle im Umgang mit Gewinnen, Verlieren, Leiden und Leben spielen, und wie sich das vermeintliche Paradoxon erklären lässt, zeigt Jesper Juul in seinem brillanten Essay „Die Kunst des Scheiterns“ und stößt damit zu einem der Wesenskerne der Conditio Humana vor.

Alan Sepinwall: DIE REVOLUTION WAR IM FERNSEHEN

ESSAYBAND. Übersetzt von Tom Bresemann, Annette Kühn & Christian Lux

 

In seiner ersten Therapiestunde mit Dr. Melfi erklärt Tony Soprano: „Es ist gut, von Anfang an bei etwas dabei zu sein. Dafür war ich zu spät, ich weiß. Doch jetzt habe ich manchmal das Gefühl, dass ich erst am Ende dazukam. Dass alles schon vorbei ist.“ In seinem brillanten ersten Buch beschreibt der einflussreichste TV-Kritiker der USA und Serienblogger Alan Sepinwall, dass dieser Satz nicht das Ende von etwas markiert, sondern den Aufbruch zu etwas völlig Neuem: der Beginn der Revolution im Fernsehen. Als vielleicht bester Chronist der  Fernsehlandschaft begleitet und erklärt er seit fast 20 Jahren die Umwälzungen, die durch großartige, tief in die Verwerfungen der Postmoderne gestürzte Serien wie “The Sopranos”, “Mad Men”, “24”, “Breaking Bad”, “The Wire” oder “Deadwood” entstanden sind. Gerade von der New York Times als eines der besten Bücher 2012 ausgezeichnet, ist dieses Buch eine geistreiche und kluge Kulturgeschichte. Hintergrundstories und Analysen zu zwölf Serien, die Fernsehgeschichte schrieben. Sepinwall kann sich dabei auf einzigartige Interviews mit den Produzenten, Erfindern, Drehbuchautoren, Schauspielern und Fernsehmanagern stützen. Er erzählt, wie die Showrunner unter den Bedingungen des vielleicht kapitalistischen Mediums überhaupt Kunstwerke schufen. Sepinwall zeigt uns, wie die Akteure den ihnen gegebenen Raum und die Vertrautheit des Fernsehens genutzt haben, um eben dort die Grenzen des Erzählens zu verschieben – und wie sie gleichzeitig die komplexen philosophischen Ansätze hinter ihren Werken sichtbar machen. 

Folgende Serien sind mit Einzelessays vertreten: OZ, The Sopranos, The Wire, The Shield, Lost, Buffy, 24, Battlestar Galactica, Friday Night Lights, Mad Men und Breaking Bad.

 

H.D.: MeeresGarten

Gedichte. Zweisprachig. Übersetzt von Annette Kühn. Mit einem Nachwort von Dietmar Dath. Illustriert von Martina Hoffmann

Der Debütband Hilda Doolittles gehört zu den wichtigsten Zeugnissen der Moderne und ist zugleich einer der schönsten Gedichtzyklen über das Meer und vor allem über die Blumen in der Nähe der Ozeane überhaupt. Es sind die für den Imagismus so wichtigen Einflüsse aus Dichtung und Kunst des alten Japans mit seinem traditionellen Understatement, die den Gedichten Doolittles ihre puristische Schönheit verleihen. In der stillen Betrachtung der windgeschüttelten und salzverkrusteten Blumen vollzieht H.D. die lyrischen Transformationen, die ihre Dichtung zu einer so wichtigen Bezugsquelle für die moderne englischsprachige Dichtung machen.

Andre Rudolph: Fluglärm über den Palästen unsrer Restinnerlichkeit

Gedichte. Mit Illustrationen von Annette Kühn

Der lange erwartete Debütband Andre Rudolphs (Prosanova Preisträger 2008) eröffnet die Reihe junger deutscher Lyrik bei luxbooks. Was in diesen Versen geschieht, ist unerhört: Beunruhigend, aufstörend schön und bisweilen komisch. Dazwischen immer wieder ein verwegener Mut zum dichterischen Risiko: Da gibt es Schmetterlingssägen und Buntmetallglück neben aufmerksamkeitsdefizitären Landschaften und eben Fluglärm über den Palästen unsrer Restinnerlichkeit.

Matthea Harvey / Elisabeth Zechel: Der kleine General und die riesenhafte Schneeflocke

Ein Graphikbuch für Kleine und Große. Texte von Matthea Harvey, Zeichnungen von Elisabeth Zechel

Willkommen in einer Welt, in der Realisten und Träumer einen Krieg gegeneinander führen, einer Welt, in der riesige Schneeflocken über dem erscheinen, der seine Phantasie nicht benutzt. Willkommen beim kleinen General, der so geordnet lebt, dass er Schuhe für bestimmte Tage hat und ein Lieblingsbuch mit dem Titel »So, Sie wollen also Ihren Dachboden alphabetisch sortieren?«. Machen Sie Bekanntschaft mit Lieutenant Lyle, einem Realisten, der von plötzlichen Stimmungsschwankungen befallen ist, und Seargant Samantha, einer sehr großen Frau, die einen sehr kleinen Mann sehr mag...

Sarah Manguso: Zwei Arten von Verfall

Biographischer Roman. Übersetzt von Annette Kühn & Ron Winkler

Eine Geschichte über eine tückische Autoimmunkrankheit, ein Jahrzehnt von wiederkehrender Paralyse, kollabierten Venen, Halskathetern, dem Tod von Freunden und Fremden, Depression und Abhängigkeit und somit von abgedroschenen Metaphern für lange Krankheit. Könnte man denken. Doch entgegen den Klischees macht die Krankheit die Autorin nicht zu einem besseren Menschen. Vielleicht zu einem mit größerem Introspektionsvermögen. Eine nüchterne, präzise Sprache von lyrischer Intensität und eine schonungslose Offenheit gegenüber der eigenen Egozentrik machen diese  Krankengeschichte eben nicht zu einem der zahlreichen Schicksalsberichte, sondern zu einer Auseinandersetzung mit Krankheit im Kontext der postmodernen amerikanischen Gesellschaft, in der die Erkrankte erwachsen wird.

Barbara Guest: Fallschirme, Geliebter

Ausgewählte Gedichte. Zweisprachig. Übersetzt von Johannes Beilharz. Mit einem Nachwort von Peter Gizzi & Kohlezeichnungen von Annette Kühn.

Sie war die unbekannte Fünfte im Bunde: Barbara Guest (1920-2006). Die große amerikanische Dichterin, die viele Jahre nahezu in Vergessenheit geraten war & stets im Schatten jener legendären anderen Vertreter der New York School – John Ashbery, Kenneth Koch, Frank O’Hara & James Schuyler – stand, sie hat in den letzten zehn Jahren eine überfällige Renaissance erlebt. Den Dichtern der Language-School wie auch vielen jüngeren amerikanischen Dichtern gilt sie als Ikone und ewiger Geheimtipp.

Amy Lowell: Verwundertes Glimmen

Ausgewählte Gedichte. Zweisprachig. Aus dem Amerikanischen von Annette Kühn. Mit Materialien, einem Nachwort & Illustrationen.

Die Grande Dame der amerikanischen Lyrik, der 1926 posthum der Pulitzerpreis zuerkannt wurde, muss hierzulande erst noch entdeckt werden. Nach einer Europareise 1902 schrieb sie ihre ersten Gedichte und konnte diese ab 1910 im »Atlantic Monthly« veröffentlichen. Amy Lowells Lyrik war anfänglich stark von den englischen  Romantikern, insbesondere John Keats beeinflusst. 1912 eröffnete ihr die Lektüre der amerikanischen Imagisten neue Richtungen für ihre Arbeit. Zeitgleich erschien ihr erster eigener Gedichtband »A dome of Many-Coloured Glass«.

John Updike: Americana

Reisegedichte. Zweisprachig. Übersetzt von Christian Lux. Mit Illustrationen von Annette Kühn.

Reisebilder, Flughafengedichte, satirisch-melancholische Kleinode hat der große Romancier John Updike (1932-2009) in seiner Gedicht-Sammlung »Americana« von 2001 versammelt. Updike hat mit diesen Gedichten ein letztes grosses Bild der USA unmittelbar vor dem 11. September, vor George. W. Bush, vor New Orleans gezeichnet. Und doch sind die Einblicke in die amerikanischen Kleinstadtwelten, auf die Metropolen, auf die Flughäfen des Landes zeitlos – mögen sich die Sicherheitsvorkehrungen an den Flughäfen verschärft haben, mag das politische Klima unerträglich aufgeheizt sein: es lohnt, in diese Gedichte einzutauchen.